Was verbirgt sich hinter Klassenraum Plus, Cluster, Lernlandschaft & Co.?

Die Zukunft zieht in deutsche Schulen ein. Architektur und Innenausstattung berücksichtigen die modernen Ansprüche des Lern- und Lebensortes Schule: Passé sind lange Flure mit monofunktionalen Räumen und kreidebasierter Frontalunterricht, gefragt sind dagegen offene Grundrisse mit multifunktionalen Räumen, ein flexibler Wechsel in den Unterrichtsformen ohne aufwändige Umbauten und die Integration digitaler Medien.

VERSCHIEDENE LERNRAUMTYPEN 

Im Zusammenhang mit Schulbauten fallen immer wieder Begriffe wie Lernhaus, Lernbüro, Cluster oder offene Lernlandschaft. Doch was steckt hinter den Bezeichnungen? Meinen sie unterschiedliche Raumkonzepte oder gibt es inhaltliche Überschneidungen? Und wie sehen diese Lernraumtypen aus? Ein Blick in das im Jahr 2017 von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft herausgegebene Standardwerk „Schulen planen und bauen 2.0 – Grundlagen, Prozesse, Projekte“ hilft weiter. Es unterscheidet grundsätzlich drei prototypische Organisationsmodelle für den Unterricht – und zwar Klassenraum Plus, Cluster und offene Lernlandschaft. 

Beim Klassenraum-Plus-Modell wird das Klassenzimmer um weitere Flächen mit der Möglichkeit zur Differenzierung und zum Rückzug ergänzt. So entstehen beispielsweise aus drei Klassenräumen zwei Klassenräume mit Gruppenarbeitsbereich in der Mitte oder es werden große Klassenzimmer eingerichtet mit der Differenzierungsmöglichkeit im Raum. Wenn sich zwei Klassenzimmer einen Gruppenraum teilen, sind die Zwischenwände oft mit Fenstern oder verglasten Türen versehen. So sind im Gruppenraum unterschiedliche Aktivitäten parallel möglich, ohne dass der (Blick-)Kontakt verloren geht. Der Lern- und Unterrichtsbereich kann optional in die Erschließungszone, also in die Flure und das Treppenhaus, erweitert werden. 

Der Begriff Cluster beschreibt im Schulbau das Zusammenlegen von Unterrichts- und Differenzierungsbereichen, Aufenthaltsbereichen sowie Personal-, Sanitär- und Lagerräumen zu identifizier-baren, teilautonomen Einheiten: Drei bis sechs Klassenräume werden zu einer sozial-räumlichen Einheit zusammengeschlossen; die Flurzone wird zu einer gemeinsamen Mitte, die pädagogisch genutzt wird. Zonierung, Transparenz sowie akustische und brandschutztaugliche Optimierung sind entscheidend für die Nutzung eines Clusters (siehe auch S. 8–9 – Mehr Raum zum Leben und Lernen). Die Schüler*innen profitieren von überschaubaren räumlichen Einheiten, die in großen Institutionen eine gute Orientierung bieten. Der Pädagoge Dr. Otto Seydel unterscheidet in „Das kleine Schulbaulexikon – 50 Begriffe, über die es eine Verständigung zwischen Planern und Pädagogen braucht“ (erschienen 2018) drei unterschiedliche Organisationsmodelle je nach Belegung eines Clusters:

1. die Jahrgangsstufe („Jahrgangsteammodell“ mit altersgleichen Klassen), 

2. ein Klassen-Zug, zum Beispiel die Klassen 1a bis 4a in einer Grundschule  

    („Lernhausmodell“), 

3. ein Fach, also jeweils getrennte Fachräume für Naturwissenschaften,    

     Deutsch, Mathe etc. („Fachbereichsmodell“).   

Die offene Lernlandschaft ist am weitesten vom traditionellen Klassenzimmer entfernt. Lernsituationen werden in einem großen, meist offenen Raum geschaffen, in dem sich Schüler*innen ihren Platz suchen. Abgeschlossene Funktionsräume sind auf ein Minimum reduziert. Orte für Instruktionen wechseln sich ab mit Gruppen-und Rückzugsräumen. Innerhalb der offenen Bereiche gibt es Zonierungen, teils durch feste Wände oder verglaste Bereiche, teils durch mobile Trennwände. Die Lernenden und Lehrenden haben eine Auswahl an verschiedenen Lernbereichen und -atmosphären. Eine Lernlandschaft findet vor allem in höheren Jahrgangsstufen Anwendung, da sie ein hohes Maß an Selbständigkeit erfordert. 

Das Lernhaus-Konzept ist ein ganzheitliches Schul- und Raumprogramm mit Empfehlungen zur Pädagogik, der Raumgestaltung und der Organisation der Schule. Die Schule wird in kleine, überschaubare Einheiten gegliedert, in denen Jahrgänge (zum Beispiel 1a bis 4a) oder Klassen (zum Beispiel 1a bis 1d) zusammengefasst werden: Bis zu 100 Schüler*innen und zwölf Erwachsene „bewohnen“ ein Lernhaus, das aus Klassenzimmern, Gruppenräumen, Differenzierungsräumen und einer gemeinsam genutzten Fläche in der Mitte, dem „Dorf- oder Marktplatz“ besteht. Lernen und Entspannungsphasen wechseln sich gegenseitig ab und schaffen ideale Bedingungen für die ganztägige Bildung. Ein Lernhaus ist wie eine kleine Schule in einer großen Schule – mit eigenen Räumen, eigener Leitung und Organisation – und folgt der Organisationsform eines Clusters. Vorreiter bei der Umsetzung des Lernhaus-Konzepts ist München: Die Stadt hat das Lernhaus-Konzept sowohl für die Neubauten als auch für Sanierungen ihrer Schulen aller Schulformen beschlossen. 

Ein Lernbüro ist eine Organisationsform für selbstorganisiertes Lernen. Die Schüler*innen lernen selbstständig, die Lehrer*innen fungieren als Coach oder Mentor. Die Schule stellt die Lernmittel und die Lehrer*innen die Themen, die in Teams oder alleine erarbeitet werden. Die traditionelle Struktur in Klassen und Schulstunden wird zugunsten eines Lerntages aufgegeben. Ein Lernbüro kann Bestandteil eines Clusters sein und die Klassenräume ergänzen. Es kann je nach Größe personalisierte oder unpersonalisierte Einzelplätze bereithalten. Wichtig ist jedoch eine permanent freizuhaltende Fläche zur Stuhlkreisbildung. Der große Vorteil des Lernbüros ist der schnelle Wechsel zwischen Einzelarbeit, Kleingruppen und Großgruppe.

Differenzierungsräume sind so gestaltet und ausgestattet, dass sie den individuellen Fähigkeiten und Interessen von Schüler*innen gerecht werden. Neben klassischen Arbeitstischen und Stühlen gibt es Sofas, Sitzsäcke und Stehtische.

Der Differenzierungsraum ist sowohl beim Lernhaus- Cluster anzutreffen als auch beim Klassenraum- Plus-Modell in Form des gemeinsam genutzten Gruppenraumes. Differenzierungsräume können als Lego-, Lese-, Musik- oder Robotik-Räume eingerichtet werden. 

Coworking-Space ist ein Begriff aus der Arbeitswelt: Mehrere Menschen unterschiedlicher Fach-bereiche treffen sich an einem Ort, um sich auszutauschen und gemeinsam zu arbeiten. Maker Space, FabLabs oder Maker Hubs greifen die Idee der Coworking-Spaces auf, gehen aber noch weiter, denn Ideen werden gleich in die Tat umgesetzt. Maker Spaces sind somit innovative „Bastelräume“, in denen sich Kreative treffen, um frei nach dem Motto „do it yourself“ zusammen an Projekten zu tüfteln. Maker Spaces, FabLabs und Maker Hubs stellen hierfür Werkzeuge, Gerätschaften und moderne Technologie zur Verfügung: Das können 3-D-Drucker, Robotertechnologie oder Drohnen sein. Auch Greenscreens zur Videoerstellung sind hier häufig zu finden. Strom und eine funktionierende IT-Infrastruktur gehören zur Grundausstattung. 

INNOVATIVE EINRICHTUNGSLÖSUNGEN FÜR JEDEN LERNRAUMTYP 

Ob Lernhaus-Cluster, offene Lernlandschaft oder Maker Space – die Produktpalette von Flötotto Learning Spaces (FLS) hat für alle Räumlichkeiten Lösungen. Durch die Nähe zur Gesellschaft für digitale Bildung kann FLS auch bei der Ausstattung der digitalen Technik in Räumen wie den Maker Spaces unterstützen. Das dänische Unternehmen Højer Møbler zum Beispiel, dessen Möbel seit Kurzem über FLS zu beziehen sind, steht seit über 25 Jahren für innovative Einrichtungslösungen im Bildungssektor. Es stattet Schulen in ganz Skandinavien und Deutschland mit Möbeln für jeden Lernraumtyp aus. Das Sortiment reicht von Gruppentischen in Blumenform, Barhockern und Hochtischen über bequeme Polsterhocker und Rückzugsmöbel bis hin zu Megamöbeln in Form von großflächigen Sitzpodien und individuell gestalteten Spielhäusern. Ein besonderes Augenmerk setzt Højer Møbler mit dem innovativen Möbelkonzept „Zap Concept“ auf aktives Lernen: Weil Bewegung die Lernfähigkeit erhöht, erleichtern Zap-Produkte den Wechsel der Lernumgebung und machen Platz für praktische Übungen. 

So steht das Zap Totem platzsparend frei im Raum und lässt sich mit dem flexiblen Zap Board in einen Arbeitsplatz für bis zu vier Schüler*innen verwandeln. Diese können hockend, sitzend oder stehend am Totem arbeiten. „Durch das Lernhaus-Konzept erfahren wir gerade im süddeutschen Raum eine große Nachfrage nach unseren Zap-Produkten“, erzählt Marianne Valeur Seifert, zuständig für Højer Møbler in Deutschland. „Das Lernhaus verhilft Schulen zu neuen Bildungsmöglichkeiten und schenkt benachteiligten Kindern durch die Möglichkeit zur Differenzierung mehr Aufmerksamkeit, als es beim Frontalunterricht möglich wäre.“

 

AUFWERTUNG DURCH PASSENDE SITZMÖBEL 

Nicht zu unterschätzen in der Auswirkung auf den Raum ist auch die Wahl des richtigen Sitzmobiliars: Für mehr Wohnlichkeit sorgen beispielsweise die modernen und formstabilen Liegen, Hocker und Sofa-Zwischenelemente aus der Serie „Cappa“ der Marke Sitting Bull. Die gemütlichen, farbenfrohen Sitzsessel und Hocker der Serien „Tube“ und „Bull“ erfreuen sich bei Kindern großer Beliebtheit und sind ideal für Schulen. Richtiges Lounge-Feeling verbreiten die robusten Sessel, Liegen und Hocker der Serie „Zipp“, die sich sogar im Außenbereich einsetzen lassen.

Lexikon der Lernraum-Bezeichnungen

Klassenraum Plus = Das Klassenzimmer wird spürbar vergrößert und/oder durch einen angrenzenden Gruppenraum erweitert. Erschließungsflächen wie Flure werden aktiviert.

 

Offene Lernlandschaft = Ein großer offener Lernbereich steht einer Gruppe aus mehreren Klassen gemeinsam zur Verfügung. Es gibt gegliederte und abgegrenzte Zonen für Gruppenarbeit und Instruktionen. 

 

Cluster = Mehrere Unterrichtsräume, Differenzierungs- und Rückzugsräume und eine Erschließungsfläche als gemeinsame Mitte werden zu einer räumlichen Einheit zusammengefasst. 

 

Lernhaus = Die Schule wird in kleine, überschaubare Einheiten gegliedert, in denen Jahrgänge (zum Beispiel 1a bis 4a) oder Klassen (zum Beispiel 1a bis 1d) zusammengefasst werden: Bis zu 100 Schüler*innen und zwölf Erwachsene „bewohnen“ ein Lernhaus, das aus Klassenzimmern, Gruppenräumen, Differenzierungsräumen und einer gemeinsam genutzten Fläche in der Mitte besteht. Ein Lernhaus ist wie eine kleine Schule in einer großen Schule – mit eigenen Räumen, eigener Leitung und Organisation – und folgt der Organisationform eines Clusters.

Coworking Space = Mehrere Menschen unterschiedlicher Fachbereiche treffen sich an einem Ort, um sich auszutauschen und gemeinsam zu arbeiten.

 

Lernbüro = eine Organisationsform für selbstorganisiertes Lernen. Die Schüler*innen lernen selbstständig, der Lehrer fungiert als Coach oder Mentor. Die traditionelle Struktur in Klassen und Schulstunden wird zugunsten eines Lerntages aufgegeben. 

 

Maker Spaces, FabLabs oder Maker Hubs = innovative „Bastelräume“, in denen sich Kreative treffen, um frei nach dem Motto „do it yourself“ zusammen an Projekten zu tüfteln. Maker Spaces, FabLabs und Maker Hubs stellen hierfür Werkzeuge, Gerätschaften und moderne Technologie zur Verfügung.

 

Differenzierungsraum = Die Räume werden in ihrer Gestaltung und Ausstattung den individuellen Fähigkeiten und Interessen der Schüler*innen gerecht. Neben klassischen Arbeitstischen und Stühlen gibt es auch Polstermöbel und Stehtische. Differenzierungsräume lassen sich beispielsweise als Lego-, Lese-, Musik- oder Robotik-Räume einrichten.

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